Composable DXPs sind modulare, spezialisierte Digital Experience Platforms, die aus miteinander kompatiblen Diensten bestehen, anstatt aus einer einzigen monolithischen Suite. Sie ermöglichen schnelle Innovationen, Flexibilität und stärker personalisierte Kundenerlebnisse – etwas, das monolithische Suiten entweder nicht bieten können oder nur mit erheblichem Zeit- und Ressourcenaufwand.
In diesem Artikel erkläre ich, was Composable DXPs sind, warum sie wichtig sind und wie Sie entscheiden können, ob sie für Ihre Architektur geeignet sind.
Was sind Composable DXPs?
Composable DXPs sind in einzelne Module aufgeteilte Digital Experience Platforms, die zu einem größeren System verbunden werden, statt aus einer großen, einheitlichen Software zu bestehen. Sie ermöglichen es Unternehmen, einzelne Komponenten verschiedener Anbieter nach Bedarf zu kombinieren und so ein hochgradig individuell angepasstes und skalierbares digitales Erlebnis-Ökosystem zu schaffen, das ihren Anforderungen und ihrer Vision entspricht.
Warum sind Composable DXPs wichtig?
Composable DXPs sind entscheidend, weil sie dem wachsenden Bedarf an mehr Agilität und Individualisierung bei digitalen Kundenerlebnissen gerecht werden. Unterschiedliche Produkte benötigen unterschiedliche Kundenschnittstellen, und obwohl monolithische Plattformen für den Einstieg einfacher sind, können sie die Flexibilität und schnellen Reaktionszeiten, die heutige, sich ständig verändernde Märkte verlangen, nicht bieten. Composable DXPs erfüllen mehrere Schlüsselfunktionen:
- Agilität: Sie ermöglichen Agilität, da verschiedene Komponenten unabhängig voneinander aktualisiert oder ausgetauscht werden können, ohne das gesamte System zu beeinträchtigen.
- Flexibilität: Jedes Element kann exakt auf das digitale Erlebnis zugeschnitten werden, das die Organisation ihren Kunden bieten möchte. Es können spezialisierte Tools für spezielle Anforderungen eingesetzt werden, wie z. B. Hyper-Personalisierung, fortschrittliche Analysen digitaler Erlebnisse oder ausgefeilte E-Commerce-Funktionen.
- Kommunikation zwischen Modulen: Composable DXPs gewährleisten einen freien Informationsaustausch zwischen den einzelnen Modulen. Dies ist essenziell, um für die Kunden ein nahtloses, digitales Omnichannel-Erlebnis zu schaffen. Sie kommunizieren über Programmierschnittstellen (APIs), die als Boten oder Kommunikationsbrücken zwischen den verschiedenen Komponenten im composable Ökosystem fungieren.
- Ownership: Composable Architekturen erlauben es unterschiedlichen Teams – beispielsweise Marketing, IT und Produktabteilungen – ihre jeweiligen Tools eigenständig zu verwalten. Dies fördert eine Kultur der Eigenverantwortung, beschleunigt Entwicklungszyklen, lässt spezialisierte Teams sich auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren und fördert Innovationen.
Die Entwicklung der DXPs
- 1990er: Statische Websites mit aufkommenden CMS-Systemen, um die Inhaltsverwaltung zu erleichtern
- Frühe 2000er: Web-CMS-Plattformen wie Wordpress, Drupal usw. wurden populär. Der Fokus verlagerte sich auf die dynamische Auslieferung von Inhalten, Personalisierung und die Nutzung von Vorlagen.
- Mitte der 2000er: Web-CMS-Systeme begannen, sich mit E-Commerce-Tools, CRM-, ERP-Systemen und Portalen zu integrieren. Dies erleichterte interne Zusammenarbeit und Nutzungssegmentierung.
- 2010 bis 2015: Wechsel von Multi-Channel zu Omnichannel mit verstärktem Fokus auf einheitliche, nahtlose Kundenerlebnisse.
- 2016 bis 2018: DXPs wurden als Weiterentwicklung von CMS mit integrierten Orchestrierungs- und Datenfunktionen positioniert, um Kundenreisen über verschiedene Kontaktpunkte hinweg zu vereinheitlichen.
- 2019 bis 2021: Wachstum von Composable DXPs und MACH-Architektur (Microservices, API-first, Cloud-native, Headless). Das Aufkommen von Headless-Systemen ermöglichte es Organisationen, Front- und Backend ihrer CMS und Datenmanagement-Systeme zu entkoppeln. Im Juni 2020 wurde die MACH Alliance gegründet, um Standards zu setzen und Unternehmen zu zertifizieren, die modulare und composable Architekturen anbieten können.
- 2022 bis heute: KI-gestützte Personalisierung und Composability mit Fokus auf Echtzeit-Datennutzung, modulare Stacks und Total Experience.
Im Jahr 2025 bieten große Anbieter, die zuvor auf monolithische Lösungen spezialisiert waren, ihre Plattformen nun mit composable Komponenten an. Gartner prognostiziert, dass bis 2026 70 % aller Unternehmen auf eine composable Architektur umsteigen müssen, verglichen mit 50 % im Jahr 2023.
Composable DXP vs. monolithische DXP
Composable DXPs zerlegen den Giganten der monolithischen Plattformen in einzelne, eigenständig verwaltbare Komponenten, die über APIs miteinander kommunizieren. Auch wenn monolithische Plattformen gewisse Vorteile bieten, geraten sie in einem Umfeld, in dem ständige Innovation gefordert ist, aufgrund ihrer Größe zunehmend ins Hintertreffen. Der weltweite IT-Ausfall 2024, der innerhalb weniger Stunden Verluste von über 5 Milliarden USD verursachte, ist ein Paradebeispiel für die Schwächen monolithischer Strukturen.
Wenn es an der Zeit ist, eine Replatforming-Entscheidung zu treffen, ist die Wahl zwischen einer Composable- und einer monolithischen DXP eine entscheidende strategische Überlegung. Hier folgt ein Vergleich zwischen Composable DXP und monolithischer DXP, um Ihnen die Entscheidung für Ihr Unternehmen zu erleichtern:
| Kriterium | Composable DXP | Monolithische DXP |
|---|---|---|
| Architektur | Modulare Architektur, basierend auf MACH-Prinzipien: Microservices, API-first, Cloud-native SaaS, Headless | Einzelanbieter, schwergewichtig, eng gekoppelt, All-in-One-Suite |
| Time to Market | Schnellere Bereitstellung von Funktionen oder Kanälen | Langsamere Releases aufgrund von Abhängigkeiten, komplexem Aufbau und längeren Entwicklungszyklen |
| Flexibilität | Austausch oder Skalierung von Einzelkomponenten (z. B. CMS, Analytics, Commerce) je nach Geschäftsanforderung | Alle Funktionen sind gebündelt; Anpassungen erfordern häufig Änderungen am Gesamtsystem |
| Vendor Lock-in | „Mix-and-Match“-Ansatz erleichtert Anbieterunabhängigkeit | Übermäßige Abhängigkeit von einem Anbieter durch einzigartiges Ökosystem |
| Kundenerlebnis | Ermöglicht Hyper-Personalisierung über alle Kanäle hinweg durch einheitliche APIs | Personalisierung ist limitiert durch Plattformfunktionen und starre Datenflüsse zwischen den Kanälen |
| Integration | Erstintegration kann komplex sein und erfordert tiefgehende Planung, vereinfacht sich aber im Laufe der Zeit | Erstintegration ist einfacher, doch die Komplexität steigt mit wachsendem Geschäft und erforderlichen Sonderlösungen |
| Skalierbarkeit | Cloud-native, skaliert automatisch entsprechend der Nutzungsanforderung | Skalierung erfordert Eingriff von Entwicklern, neue Hardware und/oder zusätzliche Lizenzmodelle |
| Innovation | Modulare Struktur und unabhängige Verantwortungsbereiche fördern Experimente und Iterationen bei geringem Risiko | Innovation ist abhängig von Anbieter-Updates, Wechselkosten und Kompatibilitätsproblemen aufgrund starrer Architektur |
| Total Cost of Ownership (TCO) | Potentiell langfristig niedriger durch weniger Wartung und flexible Anbieter-Verträge | Höhere langfristige Kosten durch Lizenzen, Wartung und Systemaufblähung |
| Sicherheit & Compliance | Komponentenbasierte Sicherheit und schnellere Patch-Zyklen, jedoch mehrere Einheiten | Systemweite Patches nötig; Verzögerungen durch Anbieterabhängigkeit bei Updates sind häufig |
Vorteile einer Composable DXP
Der Gartner DXP Magic Quadrant 2025-Bericht zeigt, wie Composable DXPs für Unternehmen schnell unverzichtbar geworden sind. Die Hauptgründe für den Wechsel zu Composable DXPs sind deren Vorteile gegenüber den traditionellen digitalen Experience-Plattformen. Zu den wichtigsten Vorteilen zählen:
Erhöhte Flexibilität und Skalierbarkeit
Die modulare Struktur von Composable DXPs nutzt einzelne Microservices für die verschiedenen Komponenten, was das Handling vereinfacht, da Änderungen an einem bestimmten Modul die Gesamtplattform nicht beeinflussen. Und weil die Module oder Komponenten per API kommunizieren, bleibt – solange die Grundstruktur gleich ist – auch der Austausch zwischen den Modulen unverändert.
Im Gegensatz zu monolithischen Plattformen erlaubt eine Composable DXP die individuelle Skalierung einzelner Services. So können Sie zum Beispiel in der Hauptsaison Ihrer E-Commerce-Engine mehr Rechenleistung zuweisen, ohne gleichzeitig Ihr Content-Management-System (CMS) aufrüsten zu müssen.
Schnellere Markteinführung
Composable DXPs sind nicht von einem einzelnen Anbieter abhängig, um Funktionalitäten zu entwickeln. Mehrere Anbieter können parallel ihre spezialisierten Funktionen bauen. Diese modulare Struktur beschleunigt die Timelines und reduziert die Time-to-Market für neue Funktionen, Kampagnen und digitale Erlebnisse erheblich.
Laut dem MACH Alliance Benchmark Report 2023 können Marken, die MACH-Architekturen einsetzen, neue Features bis zu 80 % schneller veröffentlichen als bei altbewährten monolithischen Systemen.
Bereitstellung personalisierter Kundenerlebnisse
Einer der größten Vorteile für CX-Verantwortliche ist die Möglichkeit, wirklich personalisierte digitale Erlebnisse für ihre Endkunden zu schaffen. Composable DXPs ermöglichen die nahtlose Integration von Spezial-Tools wie Customer Data Platforms (CDPs), fortgeschrittenen Analyse-Engines und KI-gestützten Personalisierungs-Tools, um hochgradig individuelle Inhalte und Interaktionen zu ermöglichen.
Eine Studie von Segment aus 2021 ergab, dass 60 % der Befragten nach einer personalisierten Shopping-Erfahrung zu Wiederkäufern werden würden.
Praxisbeispiel: Mars hat die M&Ms-Marke auf eine composable Architektur umgestellt, um direkt in 15 Ländern an Endkunden zu verkaufen. Das Ergebnis: 15 % Steigerung der Conversion Rate und 4,5 % Anstieg beim durchschnittlichen Bestellwert im Jahresvergleich. Außerdem sind die NPS-Scores gestiegen und das Kundenfeedback zum Kundenerlebnis wurde deutlich positiver.
Fördert Innovation durch Eigenverantwortung
Composable DXPs fördern eine verbesserte Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Teams, insbesondere CX, Marketing und IT. Entkoppelte Komponenten ermöglichen unabhängige und agile Arbeitsabläufe, da Änderungen und Upgrades selten die Aufsicht von Entwicklern erfordern. Dies beschleunigt nicht nur die Entwicklungszyklen, sondern verbessert auch die digitale Kundenerfahrung erheblich.
Reduzierte Anbieterbindung
Bei monolithischen Plattformen sind Sie an einen bestimmten Anbieter gebunden. Dieser einzelne Anbieter führt alle Änderungen, Upgrades, Problembehebungen und Lösungen durch, was die Umsetzung erheblich verlangsamt. Eine composable Architektur dagegen ermöglicht es Unternehmen, für jede Funktion die am besten geeignete Lösung verschiedener Anbieter auszuwählen. Wenn eine bestimmte Komponente Ihre Anforderungen nicht mehr erfüllt, können Sie diese durch eine Alternative ersetzen, ohne Ihre gesamte DXP-Plattform neu aufbauen zu müssen.
Echte Omnichannel-Bereitschaft
Heutzutage interagieren Kunden über zahlreiche digitale Kontaktpunkte – Web, mobile Apps, soziale Medien, IoT-Geräte, Sprachassistenten und mehr – und erwarten unabhängig vom Kanal ein einheitliches digitales Erlebnis.
Composable DXPs sind von Grund auf für echte Omnichannel-Bereitschaft konzipiert. Ihre Headless-Architektur und der API-First-Ansatz bedeuten, dass sie Daten als Rohdaten ohne spezifische Darstellungsebene liefern. Diese Architektur ermöglicht es, Inhalte aus einer einzigen Quelle kanalübergreifend und geräteunabhängig zu veröffentlichen und zu konsumieren, was Markenkonsistenz und einen zusammenhängenden Kundenverlauf gewährleistet – und somit eine wichtige Rolle für die Markenloyalität spielt.
Dies steht im starken Kontrast zu monolithischen Systemen, die oft Schwierigkeiten haben, über traditionelle Web- und Mobile-Plattformen hinaus konsistente Erlebnisse zu liefern.
Reduziertes Risiko
Durch die Verteilung von Funktionen auf mehrere Anbieter verringert eine Composable DXP das Risiko, dass ein einziger Anbieter nicht in der Lage ist, sich anzupassen oder wachsende Anforderungen zu unterstützen. Dieser diversifizierte Ansatz sorgt für mehr Stabilität und Widerstandsfähigkeit Ihrer digitalen Abläufe.
Herausforderungen einer Composable DXP
Natürlich ist nicht alles eitel Sonnenschein bei Composable DXPs. Sie gehen mit einer Reihe von Herausforderungen einher, darunter:
Komplexität der Integration
Ein composable Stack erfordert eine tiefe Integration zwischen Microservices, APIs und Plattformen. Probleme können insbesondere dann auftreten, wenn das Unternehmen wächst und im Laufe der Zeit mehr Services eingesetzt werden. Probleme bei der Datensynchronisation und umfangreichere Debugging-Prozesse – falls etwas schiefgeht – machen den Einsatz robuster Tools zur Überwachung digitaler Erlebnisse unerlässlich.
Wandel in Fähigkeiten und Kultur
Die Einführung von Composable DXPs erfordert möglicherweise den Aufbau neuer Fähigkeiten (API-Design, Cloud-Betrieb, DevOps) und eine kollaborative Denkweise im Team. Die MACH Alliance warnt, dass das Erreichen der „richtigen MACH-Mentalität und Fähigkeiten“ für viele Organisationen ein entscheidendes Hindernis darstellt.
Governance und Mehraufwand
Governance wird bei mehreren Anbietern und Tools meist komplizierter. Die IT muss mehr Verträge, SLAs und Versionen verwalten, insbesondere wenn das Unternehmen wächst. Es ist wichtig, Standards (wie gemeinsame APIs, Sicherheitsprotokolle und Namenskonventionen) zu etablieren, um einen reibungslosen Betrieb zu gewährleisten. Leider neigen manche Unternehmen dazu, den Verwaltungsaufwand zur Überwachung und Absicherung der Vielzahl an Microservices zu unterschätzen.
Anfangskomplexität und Kosten
Die Grundlagen für eine composable Architektur zu legen, ist ebenso komplex wie notwendig. Wenn Prozesse und Microservices vor der Implementierung nicht im Detail festgelegt werden, riskieren Organisationen eine Überimplementierung und Tool-Wildwuchs, was wertvolle Ressourcen und Zeit verschwendet.
Datenkonsistenz und Sicherheit
Die Konsistenz von Daten wie Kundenprofilen oder Produktinformationen über mehrere Dienste hinweg erfordert eine robuste Daten-Governance im modularen Stack. Jede modulare Komponente kann ein Einstiegspunkt für Angreifer sein und das gesamte System oder – schlimmer noch – Kundendaten kompromittieren.
Die Einhaltung von Datenschutz- und Sicherheitsprotokollen für jedes Element erhöht die Komplexität des gesamten Stacks, ist aber notwendig, da Kundenerlebnisse zunehmend digitalisiert werden. Robustes Identitäts- und Zugriffsmanagement sowie klare Datenverantwortung sind unabdingbar.
Wie eine Composable DXP funktioniert (Der MACH Stack)
Eine Composable DXP basiert typischerweise auf MACH-Prinzipien (Microservices, API-first, Cloud-native SaaS, Headless). In diesem Modell wird jede Funktion als eigenständiger Microservice oder Cloud-App betrieben. Beispielsweise könnte ein CMS-Service Produktinhalte verwalten, eine weitere Komponente steuert Kundenidentitäten und eine andere liefert Analysen oder Personalisierung. Alle Dienste kommunizieren über APIs, wodurch die Benutzeroberfläche oder Präsentationsschicht „headless“ bleibt und vom Backend entkoppelt ist.
Werfen wir einen genaueren Blick auf die Komponenten der MACH-Architektur:
Microservices
Jede Funktion – wie Inhalte, Suche oder Personalisierung – ist ein eigenständiger Dienst. Das Ergebnis ist ein lose gekoppelter, modularer Stack, der fast mit einem Legobaukasten vergleichbar ist: Er ermöglicht es Ihnen beispielsweise, die Empfehlungs-Engine auszutauschen oder ein neues Marketing-Automatisierungstool hinzuzufügen, ohne die zentrale Inhaltsdatenbank zu verändern. Sie können einzelne Module aktualisieren oder ersetzen, ohne den Rest des Systems zu beeinflussen. Das erhöht die Flexibilität und reduziert Risiken.
API-First
Jede Komponente kommuniziert über ein zentrales API-Gateway oder eine Orchestrierungsschicht, die einen nahtlosen Informationsfluss zwischen den Diensten ermöglicht. Dadurch lassen sich Services und Daten zwischen verschiedenen Tools einfach integrieren und teilen, was Ihre DXP offen, modular und leichter erweiterbar hält.
Cloud-Native SaaS
Cloud-native Dienste bedeuten, dass jede Komponente auf skalierbarer Cloud-Infrastruktur oder einer SaaS-Plattform (z. B. Azure Functions, AWS Lambda oder SaaS PaaS) läuft. Ein zentrales System bietet Vorteile wie Skalierbarkeit, Stabilität und automatische Updates. Die Plattform kann so effizient auf Lastspitzen oder neue Deployments reagieren.
Headless
Das Frontend (was Benutzer sehen) ist vom Backend (wo Inhalte und Logik liegen) getrennt und ermöglicht Teams, dieselben Inhalte zu nutzen, um maßgeschneiderte Erlebnisse auf Web, Mobile, Kiosken und weiteren Kanälen aufzubauen.
Diese Entkopplung erlaubt es Unternehmen, Inhalte einmal zu veröffentlichen und anschließend über beliebige digitale Kanäle zu verteilen. Dadurch wird ein konsistentes digitales Erlebnis unabhängig vom Endgerät der Nutzer sichergestellt.
Implementierung einer composable DXP-Strategie
Die Einführung einer Composable DXP erfordert sorgfältige und tiefgehende Planung. Hier finden Sie eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Umsetzung einer Composable DXP-Strategie:
1. Analyse Ihrer Systemlandschaft
Erfassen Sie Ihre aktuellen Tools, technischen Schulden und Integrationspunkte. Identifizieren Sie, welche älteren Module (z. B. CMS, CRM, Analytics) zuerst modernisiert werden müssen. Nutzen Sie Analyse- und Mapping-Tools, um die digitale Customer Journey Ihrer Kundinnen und Kunden nachzuvollziehen und wirkungsstarke Verbesserungsbereiche zu identifizieren.
2. Anwendungsfälle & Prioritäten definieren
Arbeiten Sie mit allen Stakeholdern zusammen, um geschäftsrelevante Bedürfnisse zu priorisieren. Beispielsweise könnten die Verbesserung des mobilen Checkouts oder die Ermöglichung personalisierter Erlebnisse zu den obersten Zielen zählen. Dieser Fokus auf den geschäftlichen Mehrwert gibt vor, welche Microservices entwickelt oder zugekauft werden sollten.
3. Kleiner Pilot zum Einstieg
Starten Sie mit einem zentralen Anwendungsfall als Proof of Concept. Beispielsweise ersetzen Sie nur das CMS durch eine Headless-Lösung, während die übrigen Systeme bestehen bleiben. Frühe Erfolge schaffen Vertrauen und machen die Teams mit der neuen Architektur vertraut.
4. Roadmap entwickeln
Planen Sie schrittweise Einführungen. Sobald sich der Pilot bewährt hat, ersetzen oder erweitern Sie nacheinander weitere Funktionen. Jeder Schritt sollte einen Mehrwert bieten (z. B. erst die Produktsuche migrieren, dann einen Marketing-Automatisierungs-Microservice hinzufügen). Verfolgen Sie dabei Kennzahlen wie Time-to-Market und Verbesserungen bei der Kundeninteraktion.
5. Zertifizierte Partner und Tools nutzen
Arbeiten Sie mit MACH-zertifizierten Anbietern oder Systemintegratoren zusammen, die Erfahrung mit Composable-Ansätzen haben. Diese Partner helfen Ihnen, kompatible Komponenten (CMS, Commerce, Analytics, Personalisierung usw.) für Ihren Technologie-Stack auszuwählen und bestmögliche Praktiken einzuhalten.
6. Governance und Schulungen sicherstellen
Definieren Sie frühzeitig Standards für Coding, Design und Sicherheit; schulen Sie Entwicklerinnen, Entwickler und Marketers im Umgang mit den neuen Tools und APIs. Fördern Sie eine offene DevOps-Kultur. Investieren Sie außerdem von Anfang an in Monitoring und Datenstrategie, damit Sie Leistung und Kundenverhalten regelmäßig messen können.
7. Iterieren und weiterentwickeln
Composability ist eine langfristige Strategie. Prüfen Sie fortlaufend neue Services und Technologien (etwa die Integration einer KI-gestützten Personalisierungs-Engine) und binden Sie diese ein. Beziehen Sie sich dabei in jeder Phase auf die Ziele entlang der Customer Journey und stellen Sie sicher, dass Sie das digitale Erlebnis für Ihre Kunden an jedem Touchpoint verbessern.
Beispiele für die Umsetzung einer composable DXP
Der Umstieg auf Composable-DXPs hat zahlreichen globalen Marken geholfen, das digitale Erlebnis für ihre Kunden neu zu definieren und zu personalisieren. Hier einige Beispiele.
Michelins Loyalitätsprogramm im Wandel

Michelin, ein wahrhaft vielfältiges Unternehmen, das Reiseführer erstellt, Restaurants bewertet und zu den führenden Reifenherstellern der Welt zählt, wollte innovative Treuestrategien für sein Reifengeschäft entwickeln. Dabei war es allerdings durch den alten monolithischen Stack eingeschränkt.
Dem französischen Unternehmen gelang es, sein neues Better Motion-Treueprogramm, das in Zusammenarbeit mit Voucherify entwickelt wurde, in nur fünf Monaten zu pilotieren und bereitzustellen. Diese composable Strategie ermöglichte es Michelin, eine API-First-Promotion- und Treue-Engine zu schaffen.
Varner ersetzt Point-of-Sale-Service, ohne den Betrieb zu stören

Eines der führenden Modehäuser Europas, Varner, hat erfolgreich sein veraltetes Point of Sale (POS) System in 1200 Filialen innerhalb von nur 10 Wochen ersetzt. Varner wählte Sitoo, um das neue POS-System und ein nahtloses Omnichannel-Einkaufserlebnis für die Kundschaft zu entwickeln. Dies führte zur Vereinfachung der Abläufe im Laden und ermöglichte mehr Zeit für Kundenkontakt.
Composable DXP-Tools
Der Aufbau einer composable Digital Experience Platform erfordert die Identifikation und Integration mehrerer Tools und Plattformen. Zu den wichtigsten Kategorien gehören:
- Composable DXP-Plattformen und Services: Im Gegensatz zu einer monolithischen DXP besteht eine composable DXP aus vielen eigenständigen Komponenten. Suchen Sie nach MACH-orientierten Headless CMS, Commerce-, Such- und Engagement-Tools.
- Monitoring und Observability: Nutzen Sie spezielle Monitoring-Tools für das digitale Erlebnis, um einen reibungslosen DXP-Betrieb sicherzustellen. Mit diesen Lösungen können Sie Leistung, Verfügbarkeit und Nutzer-Journeys verfolgen, um Probleme in Echtzeit zu erkennen.
- Analytics und Optimierung: Analytics-Plattformen (Web-/Mobile-Analytics, A/B-Tests, Inhaltsanalysen usw.) sind entscheidend. Integrieren Sie ein leistungsfähiges UX-Analytics-Tool, um das Nutzerverhalten zu messen.
- Kundendaten und Personalisierung: Eine Customer Data Platform kann Kundenprofile aus allen composable Services zusammenführen. Der wichtigste Vorteil einer Customer Data Platform ist, dass sie echte Personalisierung ermöglicht.
- Kunden-Journey und Omnichannel: Setzen Sie Journey-Mapping- und Orchestrierungs-Tools ein, um ein konsistentes digitales Omnichannel-Erlebnis zu gewährleisten. Planungswerkzeuge und Journey-Analysen helfen zusätzlich, dass jede Komponente zu den Kundenwegen passt.
- Support und Zusammenarbeit: Vergessen Sie nicht Tools für Teamzusammenarbeit (Projektmanagement, DevOps-Pipelines) sowie Dokumentation. Eine solide API-Management-Plattform zur Steuerung Ihrer Microservices ist ebenfalls unverzichtbar.
Jede DXP-Implementierung setzt eine leicht abweichende Kombination dieser Tools ein. Der Schlüssel ist jedoch, dass sie offen und interoperabel sind.
Best Practices für die Einführung von Composable DXPs
Wenn Sie bereit sind, auf eine composable Architektur umzusteigen, werden Sie mit diesen Best Practices bestens aufgestellt sein:
Architektur am Kundennutzen ausrichten
Konzentrieren Sie sich auf echte Geschäftsergebnisse, identifizieren Sie die wertvollsten Kundenreisen und bauen Sie DXP-Komponenten rund um diese Prozesse auf. Die MACH Alliance empfiehlt, die Architektur an aufgabenorientierten Geschäftsfähigkeiten auszurichten, die von Kundenanforderungen getrieben werden. Priorisieren Sie Anwendungsfälle, bei denen Modularität den größten Einfluss auf das Nutzererlebnis hat, und planen Sie die übrigen Themen in Ihre Roadmap ein.
In Fertigkeiten und Unternehmenskultur investieren
Stellen Sie sicher, dass Ihre Teams über die richtigen Kompetenzen in den Bereichen Cloud, APIs und agile Entwicklung verfügen. Da der Erwerb der „richtigen MACH-Mentalität und -Fähigkeiten“ eine bekannte Hürde darstellt, ist eine vorausschauende Planung von Schulungen und Change-Management entscheidend. Fördern Sie die bereichsübergreifende Zusammenarbeit zwischen IT und Fachbereichen, damit alle das neue composable Konzept verstehen.
Klein anfangen und schrittweise wachsen
Vermeiden Sie den „Rip-and-Replace“-Ansatz. Führen Sie stattdessen einzelne Services oder Funktionen als Proof of Concept ein. Schrittweise Einführungen verringern das Risiko und helfen dabei, die Herangehensweise frühzeitig zu validieren – ganz zu schweigen davon, dass sie das Vertrauen und die Eigenverantwortung des Teams fördern. Mit der Zeit können Sie den Umfang basierend auf Feedback und ROI ausweiten. Bleiben Sie pragmatisch – MACH-Prinzipien sind mittlerweile „Grundvoraussetzung“, daher ist es unerlässlich, Governance und Wertmanagement einzuführen, um Projekte auf Kurs zu halten.
Standards und Interoperabilität durchsetzen
Setzen Sie offene APIs und gemeinsame Datenmodelle so früh wie möglich um. Definieren Sie API-Verträge, Sicherheitsstandards und UI-Richtlinien, denen alle Komponenten folgen müssen. Die MACH Alliance betont klare Richtlinien und Standards, um die Interoperabilität zu gewährleisten. Sie können ein API-Gateway oder eine Middleware einsetzen, um Service-Verbindungen zu verwalten, und MACH-zertifizierte oder Open-Source-Tools nutzen, die eine Plug-and-Play-Integration unterstützen.
Messen und iterieren
Laut der MACH Alliance verzeichneten 87 % der Anwender von Composable-Architekturen eine bessere Reaktionsfähigkeit. Sie können sich ähnliche Ziele setzen und diese Einblicke nutzen, um Ihre Architektur entsprechend anzupassen.
Wird zum Beispiel ein Service zum Engpass, können Sie ihn weiter aufsplitten oder ersetzen. Sammeln Sie kontinuierlich Feedback von Marketeers und Kund:innen und lassen Sie die Nutzungserfahrungen Ihre nächsten Schritte leiten.
MACH-Community und Ressourcen nutzen
Die MACH Alliance und andere Communities veröffentlichen Leitlinien und Praxisbeispiele, die es Ihnen ermöglichen, von anderen und zertifizierten Partnern zu lernen. Prüfen Sie aktuelle Berichte, Frameworks und die jährlichen Umfragen der Alliance, um immer über die neuesten Best Practices informiert zu bleiben.
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