Vielleicht denken Sie, dass Ihre Customer Experience großartig ist – aber stimmen Ihre Kunden dem zu? Eine Umfrage von Bain & Company hat ergeben, dass 80 % der Unternehmen glauben, ihre Erfahrung sei „überlegen“, während nur 8 % der Kunden dasselbe sagen.
Um diese Lücke zu schließen, benötigen Sie ein Customer Experience Audit. Für ein CX-Audit treten Sie einen Schritt von Ihrem Unternehmen zurück und denken wie ein Kunde. Sie selbst haben bereits gute und schlechte Erfahrungen beim Kauf gemacht – und genau auf diesen Instinkt sollten Sie sich verlassen, wenn Sie in den „Customer Audit Mode“ wechseln.
Ich habe zum Beispiel kürzlich Möbel für mein Zuhause gekauft. Das Warenhaus, bei dem ich bestellt habe, hat die Lieferung um Monate verzögert. Als die Möbel endlich ankamen, war eines der Produkte kaputt. Ihr Kundenservice war gleichgültig.
Stellen Sie sich vor, der Geschäftsführer dieses Unternehmens würde heimlich selbst im eigenen Warenhaus einkaufen, um die Stolpersteine im Erlebnis zu beobachten. Das ist im Grunde ein CX-Audit – nur unterstützt durch viel mehr Daten und Analysen.
Was ist ein CX Audit – und warum ist es wichtig?
Es ist erstaunlich, wie selten Geschäftsinhaber mit ihren eigenen Unternehmen interagieren. Wenn Sie beliebige Websites aufrufen, sehen Sie oft kaputte Kontaktformulare, Kundenservice-Hotlines mit 46 Minuten Wartezeit und „Folgen Sie uns in den sozialen Medien“-Buttons, die ins Leere führen. Was diese schlechten Erfahrungen so unverständlich macht, ist, dass CX inzwischen Preis und Produkt als entscheidendes Markenunterscheidungsmerkmal überholt hat – und 96 % der Kunden werden Sie verlassen, wenn der Kundenservice schlecht ist.
Ein Customer Experience Audit ist eine detaillierte Untersuchung darüber, wie Ihre Kunden die Interaktion mit Ihrer Marke erleben. Ein gutes CX-Audit betrachtet jeden Berührungspunkt, den Ihr Kunde mit Ihrer Marke hat:
- Wie Kunden Ihre Marke gefunden haben
- Warum sie sich für den Kauf bei Ihnen entschieden haben
- Der Verkaufs- und Lieferprozess
- Interaktionen mit dem Kundenservice
- Das Erlebnis nach dem Kauf
Um ein CX-Audit durchzuführen, benötigen Sie so viel eigene Erfahrung wie möglich. Mindestens sollten Sie selbst den Kaufprozess durchlaufen, Kundengespräche führen und die Kundenanalysen Ihres Geschäfts durchsehen.
So führen Sie ein CX Audit durch
In die Schuhe des Kunden schlüpfen
Im Jahr 2010 sanken die Umsätze von Office Depot. Kevin Peters, Präsident von Office Depot Nordamerika, wollte wissen, warum. Er reiste inkognito in 70 Office Depot Filialen in den USA, kaufte ein und beobachtete das Kundenverhalten. Er kam von seiner Reise mit einem Plan zurück, das Unternehmen zu retten.
Im Einzelhandel ist Mystery Shopping gängige Praxis. Oft wird das ausgelagert – und nicht von der Unternehmensleitung selbst übernommen. Wenn Sie jedoch Probleme aufdecken möchten, die in den CX-Kennzahlen nicht auftauchen, gibt es keinen besseren Weg als einen Einsatz als „geheimer Einkäufer“.
Sie müssen nicht im Einzelhandel tätig sein, um Ihre CX als „Mystery Shopper“ zu testen. So gehen Sie dabei vor, unabhängig von Ihrer Branche:
- Wenn Sie im SaaS-Bereich sind, starten Sie einen Live-Chat auf Ihrer Website und stellen Fragen an einen Vertriebsmitarbeiter.
- Wenn Sie eine E-Commerce-Marke leiten, tätigen Sie einen Einkauf. Verschicken Sie Produkte auch an Freunde und Familie. Fragen Sie alle nach ihren Erfahrungen.
- Wenn Sie ein Dienstleistungsunternehmen führen, betrachten Sie Ihre Website mit den Augen eines Kunden. Klicken Sie auf jeden Button, um sicherzustellen, dass alles funktioniert. Senden Sie als anonymer Kunde eine Anfrage über Ihr Kontaktformular. Sehen Sie sich an, wie das Team reagiert.
Führen Sie Kundengespräche
Bevor Sie sich in Daten vertiefen, müssen Sie mit echten Kunden sprechen. Die immateriellen Aspekte der Kundenerfahrung sind oft in den nackten Zahlen nicht erkennbar.
Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten:
Lockere Gespräche
Wie der Präsident von Office Depot können Sie einfach in Ihrem Unternehmen auftauchen und mit Kunden ins Gespräch kommen. Das ist eine gute Möglichkeit, ein Gefühl für die Kundenstimmung zu bekommen und Hinweise zu entdecken, die Ihnen in einem formelleren Rahmen entgehen würden.
Der Nachteil ist, dass diese Gespräche meist nicht so tiefgründig sind, wie ein strukturiertes Interview. Außerdem ist das bei reinen Online- oder Dienstleistungsunternehmen schwer umsetzbar – aber Sie können Kunden auch einfach überraschend per E-Mail oder Anruf kontaktieren.
Kundeninterviews
Kundeninterviews geben Ihnen mehr Zeit, um ins Detail zu gehen. Die Herausforderung im Interview ist, die Sitzung strukturiert zu halten und trotzdem nicht steif wirken zu lassen. Kommen Sie mit einer Liste von Fragen vorbereitet, stellen Sie aber sicher, dass die Fragen offen genug formuliert sind, sodass Ihre Kunden alles loswerden können, was ihnen durch den Kopf geht.
Fragen Sie Ihre Kundenservice-Mitarbeiter
Neben den Gesprächen mit Kunden sollten Sie auch mit Ihrem Kundenservice-Team sprechen. Nach Monaten oder Jahren im direkten Kundenaustausch haben diese ein genaues Gespür für die Kundenerfahrung – im Guten wie im Schlechten. Wenn Sie die richtigen Fragen stellen, finden Sie wiederkehrende Fragen, Bedenken, Beschwerden und Wünsche der Kunden heraus.
Wählen Sie Key Performance Indicators
Nachdem Sie nun ein Gefühl für Ihre Kundenerfahrung haben, können Sie beginnen, in die Daten einzutauchen und die quantitativen Aspekte zu beleuchten. Wählen Sie die wichtigsten KPIs aus, die die Bereiche der Customer Experience beleuchten, auf die Sie sich konzentrieren möchten.
Stellen Sie sicher, dass Sie die richtigen Dinge messen. Bei Office Depot stellte man 2010 während des CX-Audits fest, dass die Servicewerte zwar verbesserten, aber der Umsatz sank – weil Dinge gemessen wurden, die den Kunden gar nicht so wichtig waren, wie saubere Böden und Toiletten.
Folgende KPIs werden häufig zur Messung der Customer Experience genutzt:
Net Promoter Score (NPS)
Net Promoter Score (NPS) misst die Antworten auf eine einfache Frage: „Wie wahrscheinlich ist es auf einer Skala von 0 bis 10, dass Sie dieses Produkt/diese Firma einem Freund oder Kollegen empfehlen würden?“ Das Schöne am NPS ist die Einfachheit – Sie können diese Frage nach einem Supportanruf, als Pop-up auf Ihrer Website oder in einem echten Kundeninterview stellen. Die Forschung von Bain & Company hat ergeben, dass der NPS 20-60 % des Unterschieds beim Wachstum von Wettbewerbern erklärt.
Customer Satisfaction (CSAT)
Der Customer Satisfaction Score (CSAT) konzentriert sich auf Service- und Produktqualität. Er misst die Antworten auf die folgende Frage: „Wie zufrieden sind Sie insgesamt mit der erhaltenen [Ware/Dienstleistung]?“
Kunden antworten auf einer Skala von 1 bis 5:
- Sehr unzufrieden
- Unzufrieden
- Neutral
- Zufrieden
- Sehr zufrieden
Churn Rate
Wenn Kunden abspringen (churn), bedeutet das, sie beenden die Geschäftsbeziehung mit Ihnen. Churn wird meist im Kontext von Abo-Modellen genutzt. Der Wert ist eng an die Kundenzufriedenheit gekoppelt – wenn Kunden nicht unzufrieden sind oder sich ihre Bedürfnisse nicht ändern, bleiben sie meist bei Ihnen.
Zur Berechnung Ihrer Churn Rate teilen Sie die verlorenen Kunden durch Ihre Gesamtkundenzahl und multiplizieren das Ergebnis mal 100. Beispiel: Sie haben diesen Monat 500 Kunden und verlieren 40 davon, ergibt eine Churn Rate von 8 %.
Customer Lifetime Value (CLV)
Der Customer Lifetime Value (CLV) misst, wie viel Umsatz Ihnen ein durchschnittlicher Kunde über die gesamte Dauer der Geschäftsbeziehung bringt. Der CLV hilft Ihnen, die Rentabilität zu bewahren, indem Sie sicherstellen, dass Sie nicht mehr für die Neukundengewinnung ausgeben als Sie einnehmen. Aber der CLV ist auch ein wichtiger Indikator für die Kundenerfahrung – wer ein positives Erlebnis hat, der kauft immer wieder und steigert so seinen Customer Lifetime Value.
Customer Effort Score (CES)
Der Customer Effort Score (CES) misst, wie schwierig (oder einfach) es für Kunden ist, mit Ihrem Unternehmen Geschäfte zu machen.
- Ein hoher CES bedeutet, Ihr Unternehmen ist schwerfällig. Kunden haben eventuell Probleme bei der Navigation, beim Bezahlen oder mit dem Kundenservice. Bei einem hohen CES entsteht negatives Word-of-Mouth und eine schlechte Kundenerfahrung.
- Ein niedriger CES bedeutet, es ist einfach, mit Ihnen Geschäfte zu machen: Die Website ist übersichtlich, die Bezahlung einfach, die Produkte werden pünktlich geliefert und der Kundenservice ist schnell und hilfreich. In diesem Fall gibt es positives Word-of-Mouth und Kundenloyalität, die Kundenerfahrung ist vermutlich hervorragend.
Analysieren Sie den Customer Lifecycle

Bis hierher haben Sie bereits als „Mystery Shopper“ den Kaufprozess durchlaufen. Sie haben mit Kunden gesprochen und Feedback eingeholt. Mit etwas Glück haben Sie schon Ideen gesammelt, wie Sie Kaufprozess und Kundenservice verbessern können.
Jetzt ist es an der Zeit, Ihr CX-Audit zu strukturieren, indem Sie den Customer Lifecycle untersuchen. Tauchen Sie in jeden Aspekt Ihrer Kundenbeziehungen ein – vom ersten Kontakt bis zum Ende der Beziehung.
Während Sie den Customer Lifecycle analysieren, stellen Sie zum Beispiel folgende Fragen:
- Wie finden Kunden zu Ihnen?
- Welche Berührungspunkte gibt es auf dem Weg zum Kauf?
- Welcher Prozentsatz an Kunden springt beim Checkout mit abgebrochenem Warenkorb ab?
- Wo erfüllen Sie die Erwartungen Ihrer Kunden nicht?
- Melden sich Kunden an, kündigen aber kurz darauf wieder?
- Wie hoch ist Ihre Rückgabe- oder Rückerstattungsquote?
- Welche Probleme erleben Ihre Nutzer?
- Wie hoch ist Ihre Konversionsrate?
- Wie hoch ist Ihre Abwanderungsrate?
Um all diese Informationen zu ordnen und eine zusammenhängende Geschichte zu erstellen, sollten Sie ein Customer Journey Mapping Tool verwenden. Customer Journey Maps helfen Ihnen, jeden Teil der Customer Journey zu dokumentieren, sodass Sie einen Überblick darüber erhalten, was funktioniert – und was nicht funktioniert.
Analysieren Sie die Konkurrenz
CX-Audits drehen sich um Ihre Kunden, aber denken Sie daran: Wenn Kunden gehen, wurden Sie oft entweder von einer schlechten Erfahrung mit Ihnen oder einer besseren Erfahrung woanders abgeworben. Wenn Ihre Konkurrenz die Kunden besser bedient, ist es Zeit, ein wenig zu spionieren.
Je nach Branche, in der Sie tätig sind, ist diese Arbeit vielleicht bereits für Sie erledigt worden. Firmen wie J.D. Power bieten eine unabhängige Bewertung der Kundenzufriedenheit auf Basis eigener Stichproben aus den Erfahrungen der Verbraucher an – zum Beispiel zeigt deren Ranking, dass Citi die führende Bank für kleine Unternehmen ist. Konkurrenzbanken sollten herausfinden, was Citi richtig macht.
Kleine und mittlere Unternehmen müssen diese Arbeit wahrscheinlich selbst übernehmen. Am einfachsten geht das mit Sentiment-Analyse-Tools, die Social Media auswerten, um herauszufinden, was Kunden über Sie – aber auch über Ihre Mitbewerber – sagen. Verwenden Sie diese Tools, um einen Benchmark für Verbesserungen zu erstellen.
Eine weitere Methode ist, die Konkurrenz als Mystery Shopper zu testen. Durchlaufen Sie den Verkaufsprozess bei Mitbewerbern, um zu lernen, wie diese jeden Kundenkontaktpunkt handhaben.
Verbessern Sie Ihre Customer Experience
Sobald Sie qualitative und quantitative Daten gesammelt und in einem CX-Audit zusammengefasst haben, sind Sie beim wichtigsten Schritt angekommen – Ihre Empfehlungen umzusetzen.
Ein CX-Audit nützt nichts, wenn daraus keine Maßnahmen abgeleitet werden. Verdichten Sie beim Erstellen des Audits Ihre Erkenntnisse zu umsetzbaren Schritten zur Verbesserung der Customer Experience. Erstellen Sie eine übersichtliche Zusammenfassung, damit schnell ersichtlich ist, was Ihr Unternehmen richtig und was falsch macht.
- Was gut läuft: Auch wenn CX-Audits darauf abzielen, Probleme zu beheben, bieten sie auch die Gelegenheit, positive Aspekte hervorzuheben. Wenn Sie zum Beispiel feststellen, dass Kunden mit Ihrem Support-Team sehr zufrieden sind, geben Sie das Lob weiter.
- Was verbessert werden muss: Der Großteil Ihres Auditberichts wird sich auf Verbesserungen konzentrieren. Ihre Empfehlungen sollten praktisch sein und die Ursachen der Problemfelder ansprechen. Zum Beispiel: Wenn Kunden wegen langer Lieferzeiten frustriert sind, ist es vielleicht an der Zeit, den Versanddienstleister zu wechseln.
Denken Sie daran: Jede Verbesserung der User Experience summiert sich. Erwägen Sie den Einsatz von CX-Tools, Software für Customer Experience Management oder Kundenzufriedenheits-Software, um den Prozess zu steuern und prüfen Sie regelmäßig KPI, um zu sehen, wie sich die Zufriedenheit der Kunden entwickelt.
Regelmäßig wiederholen
Wenn Sie Ihre Customer Experience noch nie überprüft haben, sollten Sie so schnell wie möglich ein CX-Audit einplanen. Erst wenn Sie Ihr Unternehmen aus Sicht Ihrer Kunden betrachtet haben, können Sie an Retention, Customer Lifetime Value und Customer Experience gezielt arbeiten.
Wiederholen Sie das CX Audit jährlich. Ihr Unternehmen verändert sich ständig – die Umsätze steigen vielleicht wegen höherer Mengen, aber wenn Ihr NPS aufgrund längerer Lieferzeiten sinkt, ist Handeln gefragt.
Warten Sie nicht bis zum nächsten Customer Experience Audit, um Maßnahmen zu ergreifen. Ziel ist die kontinuierliche Optimierung. Behalten Sie Ihre Customer Experience KPIs immer im Blick und reagieren Sie schnell, wenn Sie Probleme bemerken. Führen Sie ein neues CX-Audit durch, wann immer Sie Klarheit darüber brauchen, welche Verbesserungen priorisiert werden sollten.
CX-Audits machen Kunden zufriedener
CX-Audits können ein aufwändiger Prozess sein, aber verlieren Sie das Ziel nicht aus den Augen: zufriedenere Kunden.
Wenn Sie sich bei einem Audit in die Lage Ihrer Kunden versetzen, stoßen Sie automatisch auf deren Schmerzpunkte. Sie bekommen ein direktes Gefühl dafür, wo Ihr Kundenerlebnis begeistert – und wo es deutlich mangelt. Wenn Sie die gewonnenen Erkenntnisse umsetzen, bedeutet das zufriedenere Kunden und ein schneller wachsendes Unternehmen.
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